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Spezielles PEG-Ernährungskonzept

thermomix peg
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Einleitung

Aktuell geht man davon aus, dass etwa 140.000 PEG-Anlagen pro Jahr in Deutschland durchgeführt werden [1]. Sowohl sozialrechtlich getriggert, als auch von betroffenen Menschen und deren Angehörigen gewünscht, wird die ambulante bzw. außerklinische Intensivpflegeversorgung gegenüber der klinischen und stationären Versorgung bevorzugt [2,3].
Die außerklinische Intensivpflege der advita Pflegedienst GmbH stellt das Bedürfnis nach Normalität in den Mittelpunkt allen Handelns. Dies gilt auch im Zusammenhang mit der Ernährung von Klienten mit PEG.

Ziel der Konzeption

Ziel des speziellen Ernährungskonzeptes ist es, neben der adäquaten Energie- und Flüssigkeitszufuhr die Aspekte der normalen Ernährung bei PEG-versorgten Klienten zu fördern, um den Klienten trotz unterschiedlich ausgeprägter Handicaps wieder möglichst viel Normalität zu ermöglichen und damit Lebensqualität zu sichern und zu fördern.

Konzeptionsumsetzung

Zur Umsetzung der Konzeption werden individuell, entsprechend der Klienteneigenschaften, die Lebensmittelbeschaffung, feste Mahlzeiten, das Zubereiten des Essens genauso wie das Riechen, Schmecken und Aufnehmen der Speisen mit dem damit verbundenen Genuss gezielt gefördert.

Abbildung 1

Um das Ziel zu erreichen, wird nicht mehr auf synthetische Sondenkost und Pumpen, da hierbei zahlreiche Aspekte der normalen Nahrungsaufnahme verloren gehen und das Funktionelle dem Normalen vorausgestellt wird.
Im Rahmen des Konzeptes werden für die Zubereitung der Kost handelsübliche Lebensmittel verwendet. Dabei behalten die Lebensmittel bei der Zubereitung ihre ursprüngliche Form. Das Einbeziehen die Klienten in die Lebensmittelbeschaffung, das Vorbereiten und Zubereiten der Speisen zu festen Mahlzeiten, sowie die Wahrnehmung von Gerüchen und Geschmack (Facio Oral Trakt Therapie) zur Anregung des Appetits, sind wesentliche Bestandteile des Konzeptes zur Förderung und Stimulation (Aspekte der basalen Stimulation) der Klienten [4,5].

Die Applikation der pürierten Speisen mit adäquater Viskosität erfolgt dann zu normalen Mahlzeiten und nach oraler Anregung sowie Wahrnehmung der Gerüche durch Aufenthalt der Klienten in der Küche/ Esszimmer und nicht im Klientenzimmer/ Klientenbett. Das bedeutet, dass nicht mehr über mehrere Stunden mit relativ geringer Laufrate die Nahrung verabreicht wird, sondern als Bolus zu den jeweiligen Mahlzeiten via PEG appliziert wird. Dies fördert das Eintreten eines physiologischen Sättigungsgefühls.

Zur besseren Handhabbarkeit des Konzeptes ist geplant die speziell für PEG-Klienten entwickelten zahlreichen Rezepte in eine digital steuerbare Multifunktionsküchenmaschine zu integrieren. Somit können die Mitarbeiter bzw. Angehörige ggf. gemeinsam mit dem Klienten spielend leicht nach Rezeptvorgabe die Speisen direkt in der Küchenmaschine zubereiten und eine gleichbleibend hohe Qualität unter Wahrung der Inhaltsstoffe (Vitamine etc.) der Speisen ist gewährleistet.

Erstes Fazit

Durch die Ernährung mit handelsüblichen Produkten und durch die individuellen Zubereitungsmöglichkeiten in Verbindung mit normalen Ritualen, wird die Verdauungsregulierung wieder mehr normalisiert und es kann beispielhaft auf Medikamente wie Movicol verzichtet werden.
Zudem konnten wir in unseren ersten Beobachtungen feststellen, dass bei 100% der so ernährten Klienten sich neben einer normalisierten Verdauung, auch das Hautbild, die Haare und Fuß-/ Fingernägel deutlich bessert/gesünder/physiologischer darstellten.
Im Rahmen dessen wird eine Observationsstudie den kausalen Zusammenhang zwischen der Normalität bei dem Aspekt der Ernährung und den positiven physiologischen Erscheinungen bei PEG-ernährten Klienten quantitativ darstellen können.

Literatur

[1] Wirth RVD, Bauer JM, Schulz RJ et al.: PEG-Sondenanlage in der Deutschen Akutgeriatrie. Eine Retrospektive Datenmanalyse. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 2007; 40:21-30.
[2] Hammermüller S: Probleme erkennen und in Motivation umwandeln. Intensiv, 2017; 25: 25-29. DOI 10.1055/s-0042-118948
[3] Isfort M, Rottländer R, Weidner F, Tucman D, Gehlen D, Hylla J. Pflegethermometer 2016. Eine bundesweite Befragung von Leitungskräften zur Situation der Pflege und Patientenversorgung in der ambulanten Pflege. Herausgegeben von: Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e. V. (dip), Köln.
[4] Nydahl P & Bartoszek G (Hrsg.): Basale Stimulation. S. 143-144. Elsevier GmbH, München; Urban & Fischer Verlag.
[5] Coombes K: Von der Ernährungssonde zum Essen am Tisch. In: Lipp B, Schlaegel w (Hrsg.). „Wege von Anfang an“. Frührehabilitation schwerst hirngeschädigter Patienten. Villingen-Schwenningen: Neckar-Verlag 1996.

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